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STRESS - wege aus der krise


 

Ich möchte mich in diesem Artikel mit einigen Fragen - und möglichen Antworten - zum Thema Stress beschäftigen, die in zahlreichen Gesprächen mit meinen PatientInnen regelmäßig zur Sprache kommen und all' diejenigen von uns betreffen, die das Gefühl haben, dass beruflicher und/oder privater Stress eine Hauptrolle auf der Bühne ihres Lebens spielen.

 

Was passiert in unserem Körper, wenn er eine Krise durchmacht? Wie geht unsere Psyche mit existenziellen Bedrohungen um? Und wie können wir uns körperlich und mental so aufstellen, dass wir gestärkt aus den Herausforderung des Lebens hervorgehen?

 

Schon die ersten Wirbeltiere waren mit Programmen ausgestattet, die sich darauf verstanden, den Körper bei Gefahr in Alarmbereitschaft zu versetzen. Bis heute gilt: Kommt eine Bedrohung auf uns zu, reagiert das Gehirn mit der Produktion bestimmter Botenstoffe, die die Ausschüttung von Hormonen durch unsere beiden Nebennieren anregen. Es handelt sich hierbei in erster Linie um das Hormon Cortisol, das immer dann eine Stressreaktion in unserem Körper auslöst, wenn in der Außenwelt lebensbedrohliche Veränderungen auftreten. Diese Stressreaktion versetzt uns in die Lage, die letzten Reserven des Körpers zu mobilisieren und eine bedrohliche Situation zu überstehen.

 

Unsere Nebennieren, ganz unscheinbare Organe, die sich mit jeweils 15 Gramm Gewicht ans obere Ende der Nieren schmiegen, haben sich für Notfallreaktionen bewährt und spielen eine entscheidende Rolle für das Überleben unserer Spezies. Sehen wir uns einer Bedrohung gegenüber heißt es für einen kurzen Moment: Fight or flight, Kampf oder Flucht. Für beide Optionen stellt unser Körper alles an Power zur Verfügung, was er zu bieten hat, sodass wir gute Chancen haben, zu überleben. Doch jetzt kommt's:

 

Sehen wir uns mit neuartigen Lebensbedingungen bzw. -situationen konfrontiert, die sich nicht von jetzt auf gleich in gewohnte Strukturen lenken lassen, wird die Notfallreaktion zur Dauerreaktion. Wir stehen unter Dauerstress.

Klassische Beispiele hierfür sind persönliche Lebenskrisen nach Trennungen oder Todesfällen, jede Form von Traumatisierung wie sexueller Missbrauch oder psychische Gewalt sowie im Beruflichen das Gefühl permanenter Überforderung durch einen zu hohen Work-Load, Konkurrenzkampf, Bossing bzw. Mobbing oder der unerfüllte Wunsch nach einer gesunden Work-Life-Balance zugunsten der eigenen Familie.

 

Was haben alle genannten Beispiele gemein?

 

Haben wir es mit äußeren Umständen zu tun, die unkontrollierbar groß und in ihren Auswirkungen langfristig existenziell bedrohlich auf uns wirken, wird unserem genetischen Programm, das sich auf kurzzeitige Momente des Überlebens im Sinne von Fight or Flight spezialisiert hat, Grenzen aufgezeigt. Alte Reiz-Reaktionsmuster greifen nicht mehr, die Verschaltungen in unserem Gehirn sind sozusagen nicht mehr up to date. Wir bekommen es mit der Angst zu tun. Und leben in permanenter Anspannung. In einem Stressmodus, der unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit gefährdet.

 

Wir wissen, dass sich jeder Körper sein eigenes Ventil sucht, um dem inneren Druck Ausdruck zu verleihen. Weil aber ein zu viel an Stress für alle von uns ein zu viel an Cortisol, bedeutet, dauert es meist nicht lange bis unsere Nebennieren der Produktion von Stresshormonen nicht mehr ausreichend nachkommen können. Sie sind geschwächt und erschöpft. Und transportieren diese Information an alle Zellen unseres Körpers weiter.

 

Wir haben Kopfschmerzen bis hin zu Migräne, Nackenverspannungen und Rückenschmerzen, unklare Magen-Darm-Beschwerden, nehmen an Gewicht zu und neigen zu Allergien. Unsere körpereigenen Abwehrkräfte werden unterdrückt und deshalb werden wir öfter als gewohnt krank. Auch die Produktion unserer Geschlechtshormone und also unsere Fruchtbarkeit leidet unter Dauerstress. In Krisenzeiten denken wir meist nicht daran uns fortzupflanzen, unser Körper ist in erster Linie darauf ausgerichtet, zu überleben.

 

Das zeigt sich auch auf mentaler Ebene. Ging es uns bisher um Leistungsoptimierung, ist im Dauer-Stress-Modus an Leistung nicht mehr zu denken. Wir sind müde und erschöpft und schalten auf Energiesparmodus. Ängste und Sorgen um unsere Zukunft, die Frage wie es wohl weitergehen mag, binden Kraft und kreatives Potential. Mit Konzentrations- und Merkschwierigkeiten fällt es schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren.

 

Wenn eine Notfallreaktion zur Dauerreaktion wird, brennen nach absehbarer Zeit die Sicherungen durch. Auf körperlicher und mentaler Ebene.

Was also tun in Zeiten der Krise? Was tun, um die Krise bei bester Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu überwinden?

 

Auf mentaler Ebene kann dem Dauerstress mit unterschiedlichsten Methoden begegnet werden. Ziel aller hier genannten Techniken ist es, unser unbewusst gesteuertes Nervensystem vor allem im Bereich des Vagusnervs zu stärken, nämlich dort, wo es um Regeneration und innere Balance geht.

Der Vagusnerv, auch Parasympathikus genannt, wird in Fachkreisen regelmäßig auch als „Selbstheilungsnerv“ beschrieben, haben wir durch bewusstes Atmen, Bäder oder Saunagänge, Singen, Meditation, Yoga oder Schlaf doch selbst unmittelbaren Zugriff auf die Regulation unseres inneren Stresslevels.

 

In meiner Heilpraxis werden körpertherapeutische Verfahren mit energetischem Coaching, Kinesiologie mit Leistungs- und Emotionscoaching mittels EMDR („Eye Movement Desensitization and Reprocessing“) sowie geführte Atemübungen und Meditationen miteinander kombiniert, um Stress zu reduzieren und in mentale Widerstandskraft, die oft zitierte Resilienz, umzuwandeln.

 

Mit dem kinesiologischen Muskeltest kann hierbei in einem ersten Schritt nicht nur das ganz individuelle Stresslevel ausgetestet und damit erfahrbar gemacht werden, sondern auch der eigentliche Ursprung der mit Stress behafteten Umstände ausfindig gemacht werden.